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Hafenviertel an der Reeperbahn. Sollten Sie es jemals in
Betracht ziehen, bitte ich Sie um folgenden Gefallen: „Fahren Sie mit den
öffentlichen Verkehrsmitteln“! Denn selbst ein Eingeborener kommt in diesem
Konglomerat aus zusammengewachsenen Dörfern nicht zurecht, und ein
fremdgeborener Besucher hat erstens keine Chance und zweitens stört er die
verzweifelt die Straßenführung analysierenden Einheimischen.
Die
Hamburger müssen bescheiden sein, denn der beste Weg zwischen A und B ist schon
lange nicht mehr die kürzeste oder schnellste Strecke sondern schlicht
diejenige, die in C endet (wobei C möglichst nahe bei B liegen sollte).
Zyniker
sagen, dass anscheinend der Weg das Ziel sei – aber als hauptberuflicher
Projektleiter ist mir klar, das eigentlich das Ziel im Weg ist – im
Straßenverkehr sowieso. Deswegen setze ich seit einiger Zeit eine weitere
Projektleiter-Technik sehr erfolgreich ein: „Erklären Sie jedes – auch
unerwartete – Ergebnis zur eigentlichen Zielsetzung!“ Gerne nachträglich.
Wenn
ich also meine Frau nach Hamburg auszuführen plane, dann reserviere ich keine
Plätze im Kino oder im Restaurant und behaupte Ihr gegenüber, dass ich das Ziel
nicht verraten vermag, da es sich um eine nie da gewesene Überraschung handele.
Streng genommen ist das auch die absolute Wahrheit, da ich ja selber keine
Ahnung habe, wo wir enden werden.
Wir
fädeln uns dann am Hamburger Stadtrand in den Verkehr ein und folgen solang
stumpf dem Verkehr bis wir 27 Einbahnstraßen, Kreisverkehren und Großbaustellen
später in einem Gebiet enden, wo wir noch nie zuvor gewesen sind. Manchmal ist
es nicht einmal mehr Hamburg. Sobald man nun eine Lokalität erspäht, die
halbwegs einem Restaurant oder Kino gleicht, erklärt man mit dem Schrei „Da ist
es ja schon, das war aber leicht zu finden!“ die Anfahrt für beendet.
Zugegeben,
wer nicht zu improvisieren vermag und sich nicht auch aus haarigen Situationen
herausreden kann, der sollte diese Technik nicht zu oft frequentieren.
Spätestens
als ich mit meiner Frau in einem Kleinkunsttheater eine vierstündige
pantomimische Darstellung eines Schweigegelübdes in Echtzeit beiwohnte und es
im Anschluss in einem Vorort angeblich original buddhistischen
Wildschweinbraten gab, musste auch ich meine komplette Palette an
Überzeugungswerkzeugen benutzen. Erfolgreich – so erfolgreich sogar, dass meine
Frau diesen Abend demnächst wiederholen möchte, was mich vor zwei Probleme
stellen wird:
Wie überlebe ich die
Pantomime und den Fraß?
Wie zum Teufel soll
ich da ein zweites Mal hinfinden?
Aber
zurück zum eigentlichen Problem – der Hamburger Verkehrsführung! Wenn es in
diesem Wirrwarr aus planerischen und historisch gewachsenen Frechheiten zwei
Lichtblicke gibt, dann sind es definitiv nicht die Stadtteile Altona oder
Wandsbek.
Nun
war ich aber just in einem Unternehmen angestellt, welches im südlichen
Wandsbek angesiedelt ist.
Das
ist von daher kein Problem, da ich seit vielen Jahren überzeugter (S-)Bahnpendler
bin. Aus dem südlichen Hamburger Umland kann ich mit dem Wagen maximal
gleichschnell sein, die Bahn ist günstiger und ich kann mein Schlafdefizit
ausgleichen.
Andererseits laufe ich im
Wagen selten Gefahr in unästhetischen Posen einzuschlafen und die Mitreisenden
mit unsäglichen Schnarchgeräuschen zu amüsieren. Außerdem ist da immer
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